Ein Weg durch die Zeit

 

Gerne denke ich zurück an die Zeit meiner Kindheit, an die hohen Berge, die Wiesen am Hang, hinunter mit den buntem Gewirr an Blumen und Gräsern, mit dem satten gelb der Butter, - und Schlüsselblumen, sowie dem strahlenden weiß der Gänseblümchen und Margeriten, die ich auch schon mal aus dem Schnee heraus blinzeln sah. Tief unten im Tal sah man den silbernen verwirrenden Lauf eines Baches an dem ich so oft gespielt.

Die Schuhe und Strümpfe aus, es kribbelnde richtig schön wenn man in das eisig kalte Bergwasser hinein ging, hier und da ein dahin huschen von Forellen die es darin gab.

Auch der Kindergarten den ich besuchte, ein langes Holz verkleidetes, flaches Haus mit dem riesigen Garten zum Spielen daran. Der wilde Weg nach Hause zwischen Gärten und Häusern entlang, nicht breiter als ein Meter und sehr steinig, auch lief auf manchen Stücken ständig Wasser das aus wilden Quellen dort aus dem Boden drang, um irgendwo wieder auf einer Wiese zu versickern.

Die Luft war durchdrängt vom Duft der Tannen, Fichten und ihrem Harz und dann noch ein Duft der sehr gewöhnungsbedürftig war, es roch immer sehr stark nach Baldrian der dort in einer großen Pharmazie abgefüllt wurde. Die Industrieabwässer flossen damals noch im wilden Bach durch das Dorf hinunter zum nächsten Fluss der fast 5 Kilometer unten im Tal lag. Das Freibad mit seinen hohen Sprungtürmen und verschiedenen Becken zum schwimmen und spielen wo wir im Sommer immer gerne waren. Dort unten war auch unsere Bahnstation mit den Zügen, die alte Darmpflock und ihre Wagons die den Anschein erweckten als seien sie aus Holzleisten erbaut, wo man im freien über eine Verbindungsplattform von einem zum anderen Wagon laufen konnte. Ja da stand es noch auf den Schildern das, dass Blumen pflücken während der Fahrt verboten war. Ja mein schönes geliebtes Schwarzatal.

Schade nur das mein so schönes zuhause mir nur drei Jahre vergönnt gewesen war, ich aber trotzdem jedes Jahr in meinen späteren Schulferien immer 4 bis 5 Wochen meine Zeit dort verbrachte.

Es war schön das meine Mutter kurz vor meiner Geburt dort hingezogen war, sonst wäre ich ja im Bayrischen groß geworden. Feuchtwangen – mein Onkel lebt da heute noch.

Aber meine Mutter nahm mich mit nach Eisenach, wo sie Heiratete und mir einen Vater gab.

Ein für mich riesig großer Bauernhof mit so vielen Dingen die es zu Endecken gab.

Maschinen so groß wie ein kleines Haus die einen höllischen Lärm machten nur um ein Paar Körner aus dem Stroh zu trennen, Ackergeräte in Formen die heute fast alle nicht mehr zu finden sind.

Und die Tiere all, Pferde, Rinder, Schweine, Hühner und anderes, auch einen eigenen Hund hatte ich jetzt.

Aber das schönste was ich fand, war das ich auf einmal dinge zu essen bekam die ich vorher noch nie gegessen hatte, auch deshalb das wir sie uns finanziell nie leisten konnten.

Es war immer noch die graue Nachkriegszeit im Osten.

Eisenach liegt in einem langgezogenen Tal am Fuße der berühmten Wartburg mit einem Flüsschen mit dem Namen Hörsel die dann in den damaligen Grenzfluss Werra hinein floss, aus der dann später in Vereinigung mit der Fulda die Weser wird.

Mein Stiefvater, der mir sein leben lang ein wunderbarer Freund und Vater war, war neben seinem landwirtschaftlichen tun als Hochofenheizer in einem Gasgewinnungswerk tätig.

Eins alleine nur zu tun war damals ein sogenannter Hungershop, wir hingegen hatten gut zu essen und konnten uns auch einiges mehr leisten.

Im laufe meiner Kindheit wurde ich noch 3x mit einen Brüderchen beschert mit denen ich bis heute gute Kontakte pflege. Mit 6 Jahren kam ich in die Schule die ich als Kind nicht ganz so ernst nahm, war eher so eine Art Klassen-Clown.

Mir viel das lernen gar nicht schwer aber meine Faulheit ließ mich nur zum Klassendurchschnitt gehören. Hier kam schon deutlich zum Ausdruck das ich auch mit der Zwangspolitik der DDR nicht in Einklang leben konnte. Pioniere und FDJ waren für mich ein rotes Tuch was Prügel verdient hat, Das Wort Arschgriecher war zwar nicht mein damaliger Wortschatz aber der Realität gleich zu stellen. Mit der 8. Klasse verließ ich die Schule und begann die Lehre als Keramiker.

Nach dreieinhalb Jahren hatte ich meine Lehre beendet und zusätzlich meinen Abschluss der 10. Klasse absolviert worauf ich auch sehr stolz war.

Mit 18 kam ich wie fast alle zum Militär, oh-je, ich haste den Sozialismus in seiner damaligen Form und versuchte zu den Grenztruppen zu kommen, jedoch man roch es wohl was mein begehren war und brachte mich nähe polnische Grenze zu den Fliegerabwehrraketen.

Dort machte ich mich erst einmal sehr unbeliebt da ich nicht umhin kam die starken Antennen so nutzend umzubauen das man sogar hinter Dresden Westfernsehen schauen konnte.

Nach eineinhalb Jahren griff man mich in der Tschechoslowakei in zivil auf und brachte mich in die Untersuchungshaft in Cottbus und Berlin – Magdalenenstraße wo man mich fast ein Jahr lang nicht gerade sanft zu dem geschehenen befragte. Wurde dann vom Militärobergericht Strafsenat B1 Großberlin wegen Spionage zu einer Strafe von 6 Jahren verurteilt. Eigentlich weiß ich heute noch nicht wie Spionage richtig geschrieben wird. Über Zuchthaus Rummelsburg ging es dann für den Rest der Zeit ins Zuchthaus Brandenburg. Erinnere mich an meine erste Zelle die mit 42 Menschen belegt war, davon waren 38 Mörder – kein erquickendes Gefühl für einen gerade mal 20 zig-jährigen. Alles spielte sich in einem Raum ab, ob waschen, Hygiene, Toiletten oder Essen – beides keine 2 Meter auseinander. Dies war auch ein Grund warum ich über die -hälfte meiner Zeit im Arrest verbrachte, allein auf einer Fläche von 1,5 x 2,5 Meter weniger der Betonpritsche.

Zu essen gab es pro Tag 2,5 Scheiben dünnes trockenes Brot und jeden 3 Tag etwas warme Suppe in der es sich sehr oft regte aber die Proteine glichen den Ekel aus. Ein Eimer aus Blech diente als Toilette und duschen war auch einmal pro Woche vielleicht angesagt. Den Himmel habe ich während dieser zeit mehr weniger oder mehr weniger gesehen. Über die tätlichen Angriffe auf meiner eins möchte ich nicht weiter eingehen, ob bei der Stasi oder im Zuchthaus auf jeden Fall war die zahl der gekommenen Brotscheiben geringer.

Man kam nicht drum herum mich trotzdem wieder entlassen zu müssen und meine Meinung hatte sich da nicht gerade positiv auf den Staat ausgewirkt.

Es geschahen noch einige Begebenheiten wie eine 2. Lehre als Dreher, Eheschließung Nr.1 mit einem Kind als Lohn. Dieses habe ich sehr geliebt und tue es noch heute jedoch die liebe Exfrau hat leider anders geredet als die Tatsachen waren und deshalb habe ich auch heute keinen weiteren Kontakt aber ich kann ihr Leben auf meine Art verfolgen um zu wissen das sie auch geheiratet hat und mich zum unbekannte Opa gemacht hat. Ich verkrafte es eigentlich ganz gut, bis auf das tiefe im inneren....

nach der großen Enttäuschung mit meiner Ex nahm ich mir den Mut, den Weg mitten auf der Straße in Richtung Westen zu laufen, Eisenach bis Grenze mal gerade 5 km und somit eigentlich gleich im Sperrgebiet.

Ich kam keine 500 Meter und die Grenztruppen kamen mir mit einem Kübelwagen entgegen zum herzlichen Empfang.

Es folgten Untersuchungshaft und Zuchthaus Bautzen – 10 Monate wegen Vortäuschen einer Straftat.

Am 4.4.1984 wurde ich von der damaligen Bundesregierung freigekauft, so wie viele Tausende andere angeblich politische Häftlinge auch.

Am Anfang war es mir peinlich das man für mich Geld ausgegeben hat, aber mit dem heutigen wissen wie viel Gelder in dubiose Geschäfte verschleudert und ins Privatsäckel der Politiker und Geschäftemacher fliesen bezeichne ich mich nur als Opfer eines kalten Finanzkrieges.

Ein neues Leben in Freiheit waren meine Gedanken, im Gegensatz zum Osten war ich frei.

Ich bekam meinen Ausweis 50,- DM Taschengeld und da stand ich auf der Straße und suchte mein Glück.

Erst einmal frei genießen war mein Wunsch und schloss mich einer Gruppe junger Menschen an die die gleich Lust verspürten, darunter Deutsche, Norweger und Schweden.

Wir wollten zu Fuß über Belgien bis an die die Küste des französischen Mittelmeeres.

Waren wir zum Schluss doch 12 Mann die in Marseille nach einem halben Jahr angekommen sind.

Dort trennten wir uns und jeder ging seiner Wege, wobei meiner eigentlich in ein weiteres dunkles Kapitel meines Lebens führte; Légion Étrangère

möchte über diese folgenden Jahre kein weiteres Wort verlieren.

Es kam der Tag wo ich wieder nach Deutschland zurückkehrte um als braver guter Bürger

einer geregelten Arbeit nach zu gehen. Es bot sich die Gelegenheit noch etwas nebenbei zu lernen und ich nutze es, erlernte noch die berufe als Schreiner und Teilausbildung für Elektroinstallateur.

Als Krönung machte ich dann als Betriebsmeister in der Getränkeindustrie bei der Firma Henninger in Frankfurt und bei der Firma Rapp`s in Bad Vilbel.

Im Jahre 1997 bekam ich gute Angebote in Aussicht gestellt wenn ich mich selbständig mache was ich nach längerer Bedenkzeit dann aber auch machte.

Bau,- Industrie-, und Messemontage, bis 2003 ging alles zu meiner Zufriedenheit..............

dann der absolute abstieg, zu verdanken der darauf folgenden Krankheiten wo ich mich bis heute nicht erholt habe.